Von CK - Warum gewinnt oder verliert man einen Wettkampf? Liegt es an der Tagesform, an der Spielstärke oder gibt es andere Gründe? Ich versuche mal einige Antworten an Hand unseres Wettkampfes zu geben.

Punkt 1. Es werden "einfache" taktische Motive übersehen:
Beispiel 1: Partie von Anton (Weiß, am Zug)

--r--rk-
pp--qp-p
----pp--
--b-----
--Q-N---
-P--P---
P----PPP
---R-RK-

Anton kann mit 18.Td7! einfach gewinnen (in der Partie geschah 18.Sxc5)
Beispiel 2: Partie von Leo (Schwarz, am Zug)

----r-k-
---rbppp
-p----n-
p-p-NR--
--------
-PP-B-P-
-P--K--P
R-------

Leo gewinnt mit 26...Td5 einfach eine Figur (in der Partie geschah 26...Sxe5)
Damit hätten wir bereits 1,5 Punkte mehr und der Wettkampf wäre zu unseren Gunsten ausgegangen!

Punkt 2."Komplexere" taktische Motive werden übersehen
Beispiel: Partie von Michael: (Schwarz, am Zug)

rn-q---r
b-p--p--
p--p-nk-
-p--p-B-
-P--P-bP
-BPP----
P----PQ-
R---KN-R

Weiß droht den Lg4 anzugreifen (mit 19.f3). Zieht der Lg4 weg, kommt 20.Lxf6+ Kxf6 und 21.Dg5#. Micha kann dies einfach mit 18...Tg8 verhindern und steht etwas besser. In der Partie folgte 18...Sbd7?? und nach 19.f3 ist eine Figur weg.

Punkt 3. Gewonnene Stellungen werden "versiebt"
Beispiel 1: Partie von Frank M.(Weiß, am Zug)

-----r--
p-k--Nbp
--p-P-p-
--p--r--
----b---
-PP-RNP-
PK---P-P
R-------

Weiß steht ohne Zweifel bereits fast auf Gewinn. Frank besitzt zwei Mehrbauern und der Bauer e6 ist eine Macht, der jegliches schwarze Gegenspiel unterbindet. In Verbindung mit dem riesigen Freibauern ist sogar das Springerpaar dem Läuferpaar überlegen. Am einfachsten scheint 24.Txe4 Txf3 nebst 25.Td1. Nun droht 26.Td7+ Kb6 27.e7 mit Gewinn. Am besten für Schwarz wäre nun nach 25...Lxc3+ 26.Kc2 mit 26...Ld4! die d-Linien zu stopfen. Nach 27.Td2 (deckt f2) was die Möglichkeit offenläßt, den Bauern e6 mit Te2 ein weiteres Mal zu decken, droht nun einfach 28.e7 - was soll Schwarz ziehen?

-----r--
p-k--N-p
--p-P-p-
--p-----
---bR---
-P---rP-
P-KR-P-P
--------

Wie hoffnungslos die schwarze Stellung ist mögen folgende zwei Varianten verdeutlichen:
a) 27...Te8 (versucht gegen den Bauern e6 zu spielen) 28.Sg5 Tf5 29.f4 h6 30.Sf3 Tf6 31.Tde2 Kd6 32.e7 Kf7 33.Te6+ Kd7 und jetzt geht Schwarz an den Bauernschwächen ein 34.Txg6 +-
b) 27...h6 (versucht den Sf7 Felder zu nehmen) 28.Tf4! Txf4 29.gxf4 Te8 30.Te2 Lg7 31.Kd3 und der König läuft nach c4 +-

Beispiel 2: Partie von Birgit (Weiß, am Zug)

------kr
-----p--
---npPp-
---p----
--pP-K-P
-rP--NP-
--R-----
-------R

Birgit steht deutlich besser. Der weiße Bauer f6 schränkt die Beweglichkeit des schwarzen Königs deutlich ein. Der schwarze Turm h8 spielt derzeit nicht mit. Der weiße König steht viel aktiver, als sein Gegenpart. Und nicht zuletzt ist die schwarze Grundreihe verdächtig schwach.
Birgit sollte erstmal mit 41.Ta2! matt drohen (Idee. Ta8+, Kh7, Sg5+ und aus). Es bleibt nur 41...Tb8 dann kann folgen: 42.Tb1 Te8 43.Sg5 jetzt steht Schwarz komplett passiv und es mangelt ihm an sinnvollen Zügen.

----r-kr
-----p--
---npPp-
---p--N-
--pP-K-P
--P---P-
R-------
-R------

Schauen wir uns zwei schwarze Möglichkeiten an. 43...Th5 um eventuell den Turm über die 5.Reihe zu aktivieren und 53...Se4 mit der Idee, sein Heil im Turmendspiel zu suchen:
a) 43...Th5 44.Tb6 Se4 (der einzige Zug. Auf 44...Td8 folgt einfach 45.Txd6 +- und 44...Sc6 ist wegen 45.Ta8 hoffnungslos) 45.Txe6!! und 1-0 (45...Txe6 46.Ta8 +- und 45...fxe6 46.f7+ +-
b) 43...Se4 44.Sxe4 dxe4 45.Tb5! (verhindert, dass Schwarz zu ohne Probleme zu ...Th5 kommt) 45...Th5 46.Tg5 Tb8 (um den Turm aktiv nach b3 zu stellen) 47.Kxe4 Tb3 48.Ta8+ Kh7 49.Tf8 und die Stellung ist hoffnungslos für Schwarz.

Fazit:
Tatsächlich werden in unsere Liga die Partien hauptsächlich durch Taktik entschieden.
Will man seine Taktik verbessern, empfehle ich das tägliche lösen einiger Taktikaufgaben.
Dass "gewonnene" Stellungen "versiebt" werden, ist leider ebenfalls häufig und kann kaum abgestellt werden. Wenn man "fühlt", dass man besser steht (dieses Gefühl kennt glaube ich jeder Schachspieler) sollte man sich Zeit nehmen, viel und möglichst genau rechnen um dann den Sack zu zumachen.